Eine Liebe, die die ungeschriebenen Gesetze des Kastensystems trotzt
Rekha und Rishi scheinen ein ganz normales indisches Pärchen, in einem ganz normalen indischen zuhause in Jodhpur zu sein.
Als wir von Rishi mit der Auto-Rikschah von unserem Hotel abgeholt werden, um an einem Kochkurs mit seiner Frau Rekha teilzunehmen, lernen wir einen freundlichen Rikschafahrer kennen, mit passablen Englisch.
Auch ihr Haus scheint typisch. Im unterem Stockwerk lernen wir Rishis Eltern kennen, dann geht es hoch auf das Dach in eine nigelnagelneue Küche, wo Rekha schon auf uns wartet.

Rekha begrüßt uns und legt auch schon gleich mit der Zubereitung einer Saffran Lassi los, einem indischen reichhaltigen Jogurt Getränk mit echtem Safran, Rosenwasser und Blattsilber!

Rekha führt uns durch den Kochkurs wie ein Vollprofi, mit sehr gutem Englisch und exzellenten Kochkenntnissen. Später erklärt sie uns, dass sie sogar an einem professionellen Kochkurs teilgenommen hätte, um ein Zertifikat für ihren Kochkurs zu erhalten.
Während wir uns durch die verschiedensten Gerichte von Briyani über „Tomaten-Paneer-Curry“, einem Kohlgericht, indischen Snacks, Brot und Süßspeisen kochen, stößt auch Rishi zu uns in die Küche.
Allein die Tatsache einen indischen Mann in der Küche zu finden, überrascht mich schon sehr. Normalerweise meiden indische Männer eher diesen Teil des Hauses und überlassen das Kochen den Frauen.

Auch Rishi hat wenig mit dem Kochen am Hut und legt dagegen zärtlich einen Arm um seine Frau und beginnt ein Schwätzchen mit uns.
Er und Rekha hätten vor 10 Jahren geheiratet. Damals gingen beide noch zur Hochschule und verliebten sich ineinander.
Doch ihre Chancen auf eine gemeinsame Zukunft standen sehr schlecht, denn Rishi stammte aus einer weit niedrigeren Kaste als Rekha, Die Familien der beiden würden einer Vermählung niemals zustimmen.
Doch Rishi und Rekha waren, wie wenige andere in Indien in der gleichen Situation, mutig und haben heimlich, gegen den Willen Ihrer Eltern, geheiratet.
Anwesend bei der Hochzeit waren nur einige enge Freunde, die sich aber nicht trauten, mit auf dem Foto zu sein, aus Angst, man könne gesehen werden und ihnen die Schuld für diese unstandesgemäße Eheschließung später geben.
Die Familien der frisch Getrauten waren entsetzt, als sie von der Hochzeit hörten und Rekhas Vater versuchte seine Tochter zu einer Scheidung zu bewegen, doch Rekha weigerte sich.
Die beiden wurden von den Familien verstoßen und mussten ihr Studium abbrechen, um für ihren eigenen Unterhalt aufzukommen.
Für mehrere Jahre lebten sie in einer winzigen Wohnung. Während Rekha sich um den Haushalt kümmerte, arbeitete Rishi als einfacher Arbeiter.
Rekha erzählte uns, wie schlimm es damals um sie stand. Niemand wollte etwas mit ihnen zutun haben, niemand half ihnen. Sie hatten Existenzängste und hielten sich nur mühsam über Wasser.
Doch Rishi fing irgendwann an, als Rikschahfahrer zuarbeiten. Er fuhr ausländische Touristen durch Jodhpur und lernte so nicht nur Englisch, sondern konnte auch Geld sparen um sich seine eigene kleine Motor-Rikschah zuleisten.
Als ihre beiden Kinder geboren wurden, versöhnten sich die beiden mehr oder weniger mit ihren Eltern. Ihre Ehe wird zwar nicht für gut befunden. jedoch nun geduldet.

Rekha und Rhishi zogen mit ihren Kindern zu Rishis Familie ins Haus und bauten sich auf das Dach ihre eigenen kleinen Räumlichkeiten.
Rekhas Eltern wohnen nur wenige Gehminuten entfernt und Rekha besucht sie hin und wieder mit ihren Kindern. Der niedrigkastige Rishi ist jedoch dort noch immer nicht erwünscht und darf das Haus nicht betreten. Auch an Familienfeierlichkeiten darf er nicht teilnehmen.
Aber Rishi und Rekhas Liebe zueinander macht sie stark. Gerade im traditionellen Rajasthan, gibt es nicht viele Liebesheiraten und so ist ihre etwas ganz besonderes und aus der sie viel Kraft schöpfen können.
Gemeinsam haben sie für ihren Traum, eine eigene Kochschule für ausländische Touristen, hart gekämpft und werden damit immer erfolgreicher.

Ihr Erfolg wundert mich nicht, denn Rekha ist nicht nur eine umwerfende Köchin, sondern die beiden sind auch unglaublich gute Gastgeber. Während der Stunden bei Ihnen zuhause, haben wir uns immer weniger wie Kundern, sondern viel mehr wie Freunde gefühlt. Ewig bis spät am Abend saßen wir mit den beiden und ihren zwei Kindern zusammen, haben geschwatzt gelacht und viel gelernt.
Rekha und Rishi waren sehr offen und haben uns an ihrem Leben teilhaben lassen. Mit Stolz wurden wir durch ihr kleines eigenes zuhause geführt und wurden in Zukunftspläne eingeweiht. Und dabei haben wir unsere köstlichen Gerichte genossen.
Vielen Dank Rekha und Rishi für diesen tollen Abend. ich wünsche euch vom herzen alles gute und hoffe, dass ihr ein leuchtendes Beispiel für andere indische Liebespärchen sein könnt!
Natürlich werde ich in den nächsten Wochen einige der Rezepte hier auf meinem Blog vorstellen. Wem das nicht reicht, sollte die beiden in Jodhpur doch einfach einmal selbst besuchen! Auf Tripadvisor unter “ Incredible Krishna Cooking Workshop“ kann man sie finden.