Bhutan- Einreisebestimmungen,Touristische Regulation und meine Meinung dazu

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Update Einreisebestimmungen Bhutan:

Update zu den neuen Änderungen der Gebühr (SDF) für internationale Bhutan Reisende. Sie haben Gültigkeit vom 1. Juni 2023 bis zum 31. Dezember 2024. Damit hat die bhutanische Tourismusbehörde eine Maßnahme getroffen, die ich befürworte und einige meiner untenstehenden Kritikpunkte relativiert. Ich denke sie wird dem Tourismus in Bhutan sicherlich gut tun:

Je nach geplanter Reiseroute können Besucher mit Wirkung vom 01. Juni 2023 eine der folgenden Optionen wählen

  • 4 + 4: Die Reisenden zahlen die SDF von 200 USD pro Nacht und Person für die ersten vier Nächte und erhalten bis zu vier weitere Nächte ohne die Tagesgebühr.
  • 7 + 7: Die Reisenden zahlen die SDF von 200 USD pro Nacht und Person für die ersten sieben Nächte und erhalten Sie bis zu sieben zusätzliche Nächte ohne die Tagesgebühr.
  • 12 + 18: Die Reisenden zahlen die SDF von 200 USD pro Nacht und Person für die ersten zwölf Nächte und erhalten bis zu achtzehn weitere Nächte ohne Tagesgebühr.

Einleitung

Viel Unwissenheit und falsche Aussagen ranken sich um die Einreise nach Bhutan und das Reisen in Bhutan.

Die Entwicklung des Tourismus in Bhutan wird von der Regierung des Landes bewusst gesteuert und reguliert, um sicherzustellen, dass der Tourismus nachhaltig ist und mit den Zielen des Landes im Einklang steht.

In den 1970er Jahren wurde der Tourismussektor in Bhutan eröffnet, und seitdem hat die Regierung strenge Richtlinien und Regelungen eingeführt, um den Zustrom von Touristen zu kontrollieren. Das Konzept des „hochwertigen, gering volumigen Tourismus“ wurde eingeführt, um sicherzustellen, dass der Tourismus in Bhutan nicht zu übermäßiger Umweltzerstörung oder kultureller Entfremdung führt. Später änderte man das Ziel auf „hochwertigen, geringe Auswirkung“.  Seitdem gibt es keine Limitierung mehr in der Ausstellung der Visa, dafür aber eine hohe Tagesgebühr für ausländische Touristen. Diesen nennt sich „Sustainable Development Fees (SDF)“.

Tagesgebühr ausländische Bhutanreisende

Während vor 2022 die Gebühr von 200 bis 200 $ am Tag Unterkunft, Verpflegung, Transport, Guide und einen Teil der touristischen Infrastruktur abdeckte, ist nun alleine eine tägliche Abgabe von 200 $ fällig. Alle anderen Ausgaben für die Bhutanreise fallen zusätzlich an. Inder zahlen übrigens eine wesentlich geringere Tagesgebühr von 1200 Rupien (ca. 13 €).

Dabei ist es verpflichtend, die Reise vorab über eine Reiseagentur zu buchen mit ausschließlich bei der Tourismusbehörde registrierten Unterkünften und privatem Transport und einem qualifizierten Guide. Das komplette Reiseprogramm muss vor der Reise feststehen und von der Tourismusbehörde mit der Beantragung des Visums abgezeichnet werden.

Stark Regulierter Tourismus

Eine Möglichkeit zum spontanen, selbstorganisiertem Reisen mit freier Unterkunftswahl und öffentlichen Verkehrsmitteln besteht nicht.

Zusätzlich zu den Reisekosten und der hohen Tagesgebühr, fallen, 40 $ für das Visum und überall Eintrittsgelder an. Die Flugkosten sind relativ hoch. Einzig mit den bhutanischen Fluglinien Drukair und Bhutan Airlines kann man aus Nepal, Indien oder Singapur nach Bhutan einfliegen. Auch hier sind die Flugpreise für nicht Bhutaner deutlich teurer. Ich zahlte für meinen Hin-und Rückflug Delhi-Bhutan 600 €.

Spektakulärer Himalaya Flug mit Drukair

Eine Einreise über die Landesgrenzen von Indien ist möglich. So spart man sich die hohen Flugkosten, ist aber mehrere Stunden von der Grenze bis zu den ersten Reisezielen Bhutans unterwegs.

Nach Bhutan zu reisen ist nicht kompliziert, sondern einfach nur teuer. Die hohen Gebühren sollen direkt an die Menschen Bhutans gehen, die Kultur, Infrastruktur und Wirtschaft fördern.

Doch erzielt man mit diesen hohen Gebühren eventuell einen negativen Effekt?

Eine Bhutanreise ist nur für wohlhabende Reisende möglich

die schönsten Erlebnisse: Bei einer Bhutanischen Familie Zuhause

Deutlich weniger ausländische Gäste können sich die Reisekosten für Bhutan leisten. Touristen, die kommen, reisen meist zeitlich knapp und komprimiert, so dass nur die touristischsten Ziele angesteuert werden und abgelegene unterentwickelte Regionen nicht viel vom touristischen Kuchen abbekommen. Die stark frequentierten Ziele sind überfüllt und wenig authentisch, trifft man doch mehr auf andere Touristen, als auf Einheimische und hat man das Gefühl, diese Orte bestehen nur noch aus Hotels, Restaurants und überteuerte Läden. Auch hier bietet ein jeder seine Waren in Dollar an!

Da die indischen Nachbarn eben eine deutlich geringere Tagesgebühr zahlen, überrennen diese momentan Bhutan in großen Reisegruppen. Die Reise- Busse stoppen, die Inder steigen aus, schießen Fotos, bestellen gewohntes indisches Essen, sind laut –  bis sie wieder einsteigen und der Bus zum nächsten Ziel rollt. Die Frage nach „Low Impact und high Value“ wird hier laut.

Sonst traf ich während meiner Reise meist nur ältere wohlhabende Pärchen aus den USA oder Europa. Alles nette Menschen, die ein hübsches Sümmchen für diese Reise gespart hatten. Doch sind ausschließlich diese Touristen geeignete Besucher für das Land?

Im Herzen immer noch Rucksackreisende, tat es mir förmlich weh, dass alle Bhutan – Reisende auf denselben ausgetreten Touristenpfaden  wandelten: die gleichen guten Hotels, die gleichen touristischen Buffet – Restaurants, die gleichen überteuerten Läden, die gleichen Sehenswürdigkeiten. Man traf sich immer wieder, kannte sich irgendwann schon und winkte sich teils ironisch zu.

Zum einem möchten wohlhabende Reisende natürlich auf einem hohen Niveau reisen. Das inkludiert oft nicht den Besuch von einfachen authentischen Gaststätten, dem Übernachten in örtlichen Homestays und dem Reisen in öffentlichen Bussen. Ein Kontakt mit den Einheimischen kommt so meist nicht zustande.

tägliches Buffet Essen

Zum anderen ist diese Art des Reisens von Seiten der Bhutanischen Touristenbehörden auch gar nicht gewollt. Nur im vom Tourismusverband registrierten Unterkünften und Restaurants darf als Tourist verkehrt werden. Mit Sehnsucht schaute ich auf kleine einfache Gaststuben, wo die Einheimischen munter ihren Buttertee schlürften, während ich in die nächste touristische Bude geschleppt wurde.

Vom Guide hieß es immer nur „Too Risky“. Alles schien zu riskant, zu gefährlich: Einheimisches lokales Essen, das Wandern durch die Dörfer, das Abweichen vom Plan.

Da stellt sich die Frage, ob Bhutans Strategie wirklich greift und höhere Reisekosten wirklich bedeuten, dass der Tourismus geringere negative Auswirkungen hat und qualitativ höherwertig ist. Was bedeutet überhaupt „Hohe Qualität“ im Tourismus?

Sind es nicht vor allem die Low – Budget- Backpacker, die sehr ursprünglich reisen, dabei eng in den Kontakt mit den Einheimischen kommen, auch nicht ausgetretene Reisepfade gehen und dabei das Land wirklich kennenlernen? Zugegeben, insgesamt kommt durch sie weniger Geld ins Land, aber vielleicht dafür an die Richtigen? Weniger Geld an die großen Hotels, Restaurants und Mietfahrzeuge und stattdessen an Homestay- Besitzer, kleinere Essbuden und für Aktivitäten, die einem das echte bhutanische Leben näherbringen (wie Wanderungen, Koch- und traditionelle Malkurse, Dorfbesuche oder Fahrradtouren).

Hier zu meinen 13 Reisehighlights Bhutans

Wanderung mit einem lokalen Wanderguide

Bhutans Ansatz, den Tourismus zu regulieren um die negativen Effekte zu minimieren, macht definitiv Sinn. In Indien sehe ich viele negativ Beispiele, wo schöne Landschaften und die lokale Kultur durch Betonklötze, enormen Verkehr und laute Partys zerstört werden.

Reisen mit Guide und Fahrer

Mein Fahrer Tashi

In Bhutan sind Guide und Fahrer immer dabei.  So hatte man zumindest doch irgendwie Kontakt zur lokalen Bevölkerung. Mit dem Fahrer machte ich Witze und der Guide stillte meinen großen Wissensdurst und beantwortete wirklich alle meine Fragen rund um Bhutan, die  Menschen, das Leben, die Religion. Doch manchmal hätte ich das alles gern lieber selbst auch„ in Echt“ erlebt. Den Vorschlag, ein Museum zu besuchen, in dem man sah, wie die Einheimischen traditionell lebten, lehnte ich entschieden ab. Das schaute ich mir lieber in der Realität an!

Zudem war es manchmal fast anstrengend, immer einem Guide zu folgen oder vom Guide verfolgt zu werden: Alleine shoppen, schlendern, essen? Nur mit eindringlicher Bitte möglich.

Immer mit dabei: mein Guide Ksering

Durch die strenge Regulation des Reisens flachte das Reiseerlebnis Bhutan für mich deutlich ab und verschenkte so viel an seinem Potential.

Bhutan- ein wunderschönes Reiseland mit viel Potential

In diesem Artikel erfährst du alles Rund um das Reiseland Bhutan

Bhutan ist ein tolles, wahnsinnig interessantes  und wunderschönes Land, mit einer traumhaften Landschaft, wunderbarer und tiefer Kultur und Religion und den nettesten Menschen. Doch leider muss man sich ganz schön anstrengen und durchsetzen, um etwas von der Echtheit des Landes ohne den touristischen Schleier zu erleben. Nachdem ich in den ersten zwei Tagen den Ablauf meiner Bhutan- Reise interessiert beobachtet hatte, habe ich dann recht erfolgreich begonnen, Wünsche zu äußern, ab und zu Veränderungen vorzuschlagen, ganz nach dem Konzept von Chalo! Reisen: Aktiv  und ganz nah dran ein Land und die Menschen  zu erleben. Dazu könnt ihr dann mehr in meinem Reisebericht lesen.

Zudem muss man für ein authentisches Bhutan – Reiseerlebnis sicher bereit sein, noch mehr Geld zu investieren.

Eine längere Trekkingtour durch die einsame Bergwelt Bhutans, eine weite Reise in das abgelegene Hinterland oder eine ausgedehnte Fahrradreise auf den kleinen leeren Straßen Bhutans wäre sicher ein Traum. Aber leider kann man sich so einen langen Bhutan Aufenthalt kaum leisten?

Was kostet eine Bhutan Reise?

Ich habe einmal kalkuliert. Für meine Privatreise über neun Tage inklusive Tagesgebühr, Transport, Guide, Unterkunft, Verpflegung und Eintritt zahlte die Agentur sicherlich um die 400 € am Tag für mich, also insgesamt 3600 € ohne die Bezahlung der Agentur, ohne Flug, ohne Shopping.

Dieser hohe Preis wirft auch irgendwie einen Schatten auf die gesamte Reise. Zum einen werden die Erwartungen extrem in die Höhe geschraubt. Wenn man so viel zahlt, muss es die Reise ja Wert sein, oder? Zum anderen versucht man jede Minute der Reise voll auszukosten und auszunutzen. Das kann auch ganz schön anstrengend werden. Einfach einmal nichts tun für 400 €? Leider nein.

Zudem verglich ich ständig: Ich lebe im indischen Himalaya und bin auch sehr viel im buddhistischen Himalaya unterwegs. Bhutan hat eine lange Grenze zu Indien und mit Arunachal im Westen und Sikkim im Norden zwei indische Nachbarn, die der bhutanischen Kultur und Landschaft sehr, sehr ähnlich sind, allerdings eben deutlich günstiger und etwas echter – aber dazu in einem anderen Bericht mehr.

Sind es die 200 Dollar am Tag Wert nach Bhutan zu reisen? Vielleicht. Ich persönlich denke, dass sich die bhutanische Regierung damit ein Eigentor schließt: Sehr kurze und langweilige Pauschalreisen, weniger Gäste, ungleich berechtige Entwicklung der touristischen Infrastruktur in Bhutan, kaum authentische Erlebnisse. Auch die Einheimischen selbst, die im Tourismussektor tätig sind, hoffen hinsichtlich der hohen Gebühr auf eine Änderung. Sie selbst sind momentan die größten Leidtragenden des System.

Fazit

Tigernest Klsoter

Doch wenn man wirklich nach Bhutan möchte, um einmal die glücklichsten Menschen der Welt kennenzulernen, praktizierenden Buddhismus zu erleben und eine bezaubernde Himalaya -Welt zu bereisen, kann dies in Bhutan auf höchstem Reiseniveau tun und ich gebe euch nicht nur Hinweise zu dem „Wie“, sondern habe sogar gleich einen sechstägigen Bhutan Reisebaustein kreiert. So wie in diesem Reiseprogramm beschrieben, würde ich immer wieder meine Bhutan Reise machen. Zudem biete ich Unterstützung bei der Planung der eigenen Bhutanreise an.

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